Latein

„Latein ist tot, es lebe Latein!“
Dieser Titel eines inzwischen in vielfacher Auflage erschienenen Buches des renommierten Münchener Altphilologen Wilfried Stroh erscheint paradox, jedoch birgt es eine tiefe Wahrheit in sich:
Der Sage nach wurde Rom 753 V. Chr. von Romulus und Remus gegründet. Von der Region Latium und den Bewohnern, den Latinern, hat die Sprache der alten Römer ihren Namen erhalten – Latein. Latein war sowohl die Amts- als auch Verkehrssprache im Römischen Reich, das vor ungefähr 2000 Jahren fast den gesamten Mittelmeerraum umfasste. Als das Römische Reich um 500 n. Chr. zerfiel, entwickelten sich aus dem Volkslatein die romanischen Sprachen (u. a. Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Rumänisch).
Latein wurde nicht mehr aktiv als Muttersprache gesprochen. Es entwickelte sich zu einer internationalen Sprache, der sich insbesondere Juristen, Theologen, Diplomaten, Philosophen, Geistliche und Naturwissenschaftler bis teilweise in die Gegenwart hinein bedienten, um sich zum einen untereinander zu verständigen und zum anderen antike Theorien, Wertvorstellungen und Kunstwerke aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Auf diese Weise lebt Latein auch heute noch weiter und wird als eines der ältesten Schulfächer Deutschlands und Europas vermittelt.
Die Informationsbroschüre „Viele gute Gründe, Latein zu lernen“ aus dem Klett-Verlag listet folgende Vorzüge auf:

Latein

  • zeigt den Weg zu unseren europäischen Wurzeln auf,
  • lädt zu einem kritischen Dialog mit der Antike als dem geistigen Fundament Europas ein,
  • erweitert den geistigen Horizont durch die Beschäftigung am Beispiel lateinscher Texte mit  Grundfragen menschlicher Existenz,
  • vermittelt solides Wissen in Grammatik,
  • erweitert durch stetes Übersetzungstraining den Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit im Deutschen,
  • verlangt genaues Hinsehen, gründliches Lernen sowie zielgerichtetes problemlösendes Denken und vermittelt auf diese Weise überfachliche Schlüsselqualifikationen auch für eine anspruchsvolle Arbeitswelt.

Zudem ist der Nachweis von Lateinkenntnissen in zahlreichen Fachbereichen Voraussetzung für eine Zulassung zum Studium. Für welche Studiengänge welcher Lateinabschluss verlangt wird, ist allerdings nicht bundesweit festgelegt, sondern variiert von Bundesland zu Bundesland und teilweise sogar von Universität zu Universität. Ob, und wenn ja, welchen Lateinabschluss Sie benötigen, erfahren Sie daher am besten bei der Universität Ihrer Wahl.
Am Oldenburg-Kolleg können Sie das Kleine Latinum sowie das Latinum erwerben. Das Kleine Latinum erhalten Sie, wenn Sie bis einschließlich der Q4 erfolgreich am Lateinunterricht teilgenommen haben, das Latinum, wenn Sie Latein als viertes Prüfungsfach (P4) belegen und die Abiturklausur mit mindestens 05 Punkten bestehen.
Die aktuellen Kursthemen, die jedes Jahr neu vom Kultusministerium festgesetzt werden, lauten:

Abitur 2017
Q1    Abschluss der Spracherwerbsphase
Q2    Roms Krieg gegen Jugurtha
Q3    Römische Staatsphilosophie
Q4    Cicero über die Freundschaft

Abitur 2018
Q1    Abschluss der Spracherwerbsphase
Q2    Cicero über die Freundschaft
Q3    Cicero in Catilinam: Politische Reden in einer Krisensituation der res publica
Q4    Charakterbilder in den Briefen des Plinius