Studienfahrt Politik

Am Montag, den 18.06.2012 starteten wir Schüler des Politik-Kurses und/ oder des Seminarfaches „DDR“ unter der Leitung von Frau Sattaf zu unserer Studienfahrt nach Berlin.
Noch am gleichen Tag stand unsere erste Veranstaltung, die Besichtigung des DDR-Museums, auf dem Programm.
In dem interaktiv gestalteten Museum konnten wir viele Eindrücke aus dem täglichen Leben in der DDR gewinnen.  Es waren verschiedene Original- Gegenstände der DDR ausgestellt, die durch Schubladen Öffnen oder durch Tasten näher begutachtet werden konnten. Zu diesen Ausstellungsstücken gehörten zum Beispiel DDR-typische Lebensmittel, Literatur und natürlich ein Trabi.

Trabi

Ein Großteil der ausgestellten Gegenstände wurde bewusst nach gängigen Klischees über das ehemalige Ostdeutschland gewählt und soll dazu anregen, sich genauer mit den damaligen Lebensumständen auseinanderzusetzen.
Anschließend folgte eine Führung durch den Ehemaligen Regierungsbezirk der DDR.

Der zweite Tag unserer Studienfahrt begann mit einem Informationsgespräch im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Neben der Geschichte des Gebäudes  erhielten wir Informationen über die zentralen Anliegen des Ministeriums. Hierzu gehören übergeordnet die Sicherung und die Förderung des Wohlstands in Deutschland. Es gab außerdem die Möglichkeit, Fragen zu Theorie und Umsetzung zu stellen und so an unseren Politikunterricht mit dem aktuellen Thema“Wirtschaft“anzuknüpfen. Nach dem Gespräch wurden wir noch durch das Gebäude geführt.

Gruppenbild
Am Nachmittag folgte ein Besuch der Ausstellung zum Parlamentarismus „Wege – Irrwege – Umwege“ im Deutschen Dom.
Auf eindrucksvolle Weise wurde auf fünf Etagen der geschichtliche Weg zum parlamentarischen System in Deutschland aufgezeigt.

Am Abend besuchten wir das Stasi-Museum, welches in den Räumen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) untergebracht ist.

das Gebäude des MfS

Der gesamte dazugehörige  Komplex, auf dem ca. 8000 Mitarbeiter beschäftigt waren, war zu DDR-Zeiten von der Außenwelt abgeschottet und stark bewacht.
Die Dame, welche uns durch das Museum führte, berichtete uns auch von ihren persönlichen Erlebnissen. So erfuhren wir, dass sie selbst lange überwacht wurde, ohne es damals auch nur zu ahnen.
Diese persönlichen Berichte machten die vielen Informationen  über Ideologie und Tradition des MfS sehr lebendig.
Der Mittwoch begann mit einem Mittagessen im Paul-Löbe-Haus und einem anschließenden Besuch des Plenarsaals des Bundestages, welcher im Gebäude des Reichtags untergebracht ist. Da leider keine Sitzungswoche war, nahmen wir an einer allgemeinen Informationsveranstaltung über den Bundestag teil und bestiegen anschließend noch die Reichstagskuppel.

Plenarsaal Reichstagskuppel

Beim darauf folgenden Besuch der  Gedenkstätte „Berliner Mauer“ an der Bernauer Straße wurde uns von individuellen Schicksalen, die sich im Zusammenhang mit der deutschen Teilung ereigneten, berichtet.

Gedenkstätte Berliner Mauer Gedenkstätte Berliner Mauer

Besonders bewegend waren die Berichte über Kinder, die im Fluss ertranken, während die Wachposten an der Mauer  nicht eingreifen durften, da sie bei Verlassen ihres Wachpostens selbst erschossen worden wären.

Weiteres über das Leben im geteilten Deutschland und der damit verbundenen Wut und Verzweiflung  erfuhren wir bei der Ausstellung  „ Grenzerfahrungen. Alltag der deutschen Teilung.“ im „Tränenpalast“, welcher die Grenzübergangsstelle für die Ausreise von Ost nach West am Bahnhof Friedrichsstaße war.

Am Tag vor unserer Abreise besuchten wir das Bundesministerium für Verteidigung und das Ehrenmal der Bundeswehr. In dem für die Öffentlichkeit zugänglichen, kunstvoll gestalteten Ehrenmal erscheint jeweils für 8 Sekunden der Name eines gefallenen Soldaten, um seiner zu gedenken. Es dauert insgesamt neun Stunden, bis jeder Name einmal erschienen ist.                                                                    Auch wenn diese Weise des Gedenkens häufig kritisiert wird, da sie mitunter lange Wartezeiten für die Gedenkstätte besuchenden Familienangehörigen mit sich bringt, waren sich die meisten von uns einig, dass diese Gestaltung gut geeignet ist, da das Ehrenmal für diese 8 Sekunden nur für den einzelnen Soldaten persönlich zu bestehen scheint.

Letzter Programmpunkt für diesen Tag war der Besuch der Gedenkstätte „ Deutscher Widerstand“.  Bei einer Führung durch das Museum, welches im ehemaligen Bendler-Block untergebracht ist, wurden wir über einige Menschen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet hatten, informiert. So erfuhren wir viele Details über z.B. die von Elser und Staufenberg durchgeführten Attentate auf Hitler.
Besonders interessant gestaltete sich die Führung dadurch, dass sie nie eine einseitige Informationsveranstaltung war, sondern wir immer zu Diskussionen angehalten wurden.
So diskutierten wir zum Beispiel über die Frage, ob es angebracht sei, dass das Museum, wie auch das Verteidigungsministerium im Bendler-Block untergebracht sind. Im Bendler- Block wurden sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg geplant.
Nach der Führung gab es die Möglichkeit in Kopien von Original-Dokumenten, wie zum Beispiel dem Verhör von Elser, zu lesen.

Am Freitag, dem letzten Tag unserer Studienfahrt, besichtigten wir das Museum „ Topographie des Terrors“. Dort wurde die Zeit des Nationalsozialismus aus Sicht der Täter beschrieben. Durch eine sehr interessante Führung und durch die Ausstellung vieler Fotos und Zitate wurden uns auf sehr bewegende Weise viele Informationen vermittelt.

Neben dem ausführlichen Programm gab es auch Zeit zur freien Verfügung, die wir unter anderem zu einem gemeinsamen Abendessen am Mittwoch nutzten. Ansonsten bot die Lobby des Hostels mit Billiardtischen, Kickertischen und gemütlichen Couchecken eine angenehme Atmosphäre zum regen Gedankenaustausch bei Nacht.

Pünktlich zum Anpfiff des Deutschland- Griechenland Spiels saßen wir dann im Zug zurück nach Oldenburg. Der anfängliche Ärger einiger Fußballfans über das verpasste Spiel  verschwand dann aber recht schnell dank  den sehr eigenwilligen und dadurch unglaublich unterhaltsamen Ansagen zu den Spielzwischenständen durch eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn.

Nina Battel